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Flagge von Christiania
Schauplatz Dänemark: Zu Besuch bei einem Erasmus-Studenten in Kopenhagen. Die Freistadt Christiania, nicht fern der Kopenhagener Innenstadt gelegen, besitzt Kindergarten, Schule, Gesundheitshaus, “Supermarkt”, zahlreiche Bars … aber keine Universität. Und selbst wenn sie eine hätte, würde es vermutlich keine so einfache Mobilitätszusammenarbeit mit anderen Universitäten geben, da Christiania selbsternanntes Nicht-EU-Mitglied ist. “Willkommen in Christiania!” liest man beim Betreten des Areals, “Achtung, du betrittst die EU!” beim Verlassen. Wer sich also – wie einige StudentInnen – dafür entscheidet, die Zeit in der alternativen Wohnsiedlung zu verbringen, dem bleibt die Möglichkeit, für den universitären Alltag in die EU zu pendeln – es ist gar nicht mal so weit.
Die Freistadt Christiania wurde 1971 von Studenten gegründet bzw. bevölkert und umfasst die 34ha eines ehemaligen Militärgeländes. Der “unabhängige” Status wird von den Kopenhagener Behörden weitgehend toleriert, wobei die Utopie dennoch stetig vom Untergang bedroht wird. Auf dem verhätnismäßig nur leicht besiedeltem Gebiet existiert weder Hauseigentum noch Mietverhältnis. Es wird nicht neu gebaut, sodass Christiania eine grüne Oase inmitten eng bebauter Viertel blieb. Das Areal besitzt breiten Zugang zu (See-) Wasser und bietet zahlreiche idyllisch-verwachsene Uferplätzchen. All das lässt erahnen, welch Einnahmeeinbußen die Stadt Kopenhagen für ihre Toleranz hinnehmen muss. Viele Versuche wurden bereits gestartet, aber die Pro-Christiania-Lobby ist potenter, als die Situation vermuten ließe…
Es ist nicht leicht, sich schnell ein Bild von Christiania zu machen. Wie bereits erwähnt, übt die Freistadt auf Besucher – seien es Erasmus-StudentInnen oder (junge) Touristen – eine beachtliche Anziehung aus. Bei den DänInnen ist die Begeisterung deutlicher verhaltener. Die nun bereits 38 Jahre bestehende, vermeintliche Utopie ist zu einer Art Touristenattraktion geworden, und hat auf diesem Wege einiges an Originalität eingebüßt. Diese stützte sich auf Ideen wie Basisdemokratie in Konsens, ökologischereres Leben, Nachhaltigkeit, alternative Konfliktregelung, einem eigenen Währungskonzept und ähnlichem mehr. Vier unverletzliche Regeln wurden vom gemeinschaftlichen Plenum aufgestellt:
- Â Keine harten Drogen
- Â Keine Rockerwesten mit KlubabzeichenÂ
- Â Keine Waffen
- Â Keine Gewalt
Auch jegliche Motorisierung wurde aus dem Gelände verbannt. Der Konsum von weichen Drogen (Marihuana, Haschisch) ist erlaubt und selbst der Handel wird innerhalb Christianias Grenzen von den dänischen Behörden toleriert – wenn es auch immer wieder Vorstöße dagegen gegeben hat. Diese sich insbesondere auf Fremde auswirkende Attraktivität des scheinbar alternativen Lebens hat dem Projekt eine deutlich kommerzielle Note beschert. Die Meinung muss sich jeder selbst bilden. Jedenfalls bleiben neben einer verdächtigen Pseudo-Alternativität dennoch zahlreiche Gründe sich der Utopie (auf Zeit) zu nähern: Eine enorme Dichte an illustren Mitmenschen, gemütliche Bars, zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen, kulinarische Schmankerl, architektonisch interessante Selbstkreationen und neben aller Buntheit gemütlich-naturnahe Rückzugsorte.
Die Meinungen über die Freistadt in Mitten Dänemarks Hauptstadt sind divergent. Manche wollen den aufmüpfigen Sonderlings-Sumpf trocken gelegt sehen, andere genießen den frischen Wind der alternativen Gemeinschaft. Und wieder andere spazieren einfach gerne nur durch. Wie lange das ungefähr 800 Leute zählende Städtchen noch so existieren wird, bleibt jedenfalls offen – bevare christiania!
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