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Artikel der Kategorie ‘Erasmus’

People are strange

Januar 09, 2010 Von: tocomei Kategorie: Allgemein, Erasmus 1 Kommentar →

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Valladolid Zeit

Valladolid - im Sande gebaut

wien ist das neue valladolid. der blog bekommt einen neuen standort. standorte sind für blogs bekanntlich sehr wichtig. das gefühl der ferne wird als charakteristikum in die ferne gerückt werden. zwischen wien und valladolid passt neben einer fülle an raum nun bereits einiges an zeit.

was bleibt von valladolid? eine stadt nahe an spaniens hauptstadt. so nah, dass sie in deren schatten vor sich hinchillen kann. abseits von allzu viel aufmerksamkeit, moderne, EUropas einflüssen… erasmen als fremdköperlichkeiten. eine stadt, die das spanische leben lebt, wie es sich auch zu francos zeiten zu leben pflegte. so wenig ich hierbei den mir sowieso unmöglichen vergleich anstrebe, so sehr suche ich dennoch die betonung der spürbaren kontinuität einer solchen miefig, gesamtspanischen lebenseinstellung, der latenten feindseligkeit gegenüber andersartigkeiten. fasciadolid, du oft gehörter kosename. (weiterlesen…)

Erasmus in Christiania

Mai 31, 2009 Von: tocomei Kategorie: Allgemein, Erasmus Noch keine Kommentare →

 

Flagge von Christiania

Flagge von Christiania

Schauplatz Dänemark: Zu Besuch bei einem Erasmus-Studenten in Kopenhagen. Die Freistadt Christiania, nicht fern der Kopenhagener Innenstadt gelegen, besitzt Kindergarten, Schule, Gesundheitshaus, “Supermarkt”, zahlreiche Bars … aber keine Universität. Und selbst wenn sie eine hätte, würde es vermutlich keine so einfache Mobilitätszusammenarbeit mit anderen Universitäten geben, da Christiania selbsternanntes Nicht-EU-Mitglied ist. “Willkommen in Christiania!” liest man beim Betreten des Areals, “Achtung, du betrittst die EU!” beim Verlassen. Wer sich also – wie einige StudentInnen – dafür entscheidet, die Zeit in der alternativen Wohnsiedlung zu verbringen, dem bleibt die Möglichkeit, für den universitären Alltag in die EU zu pendeln – es ist gar nicht mal so weit.

Die Freistadt Christiania wurde 1971 von Studenten gegründet bzw. bevölkert und umfasst die 34ha eines ehemaligen Militärgeländes. Der “unabhängige” Status wird von den Kopenhagener Behörden weitgehend toleriert, wobei die Utopie dennoch stetig vom Untergang bedroht wird. Auf dem verhätnismäßig nur leicht besiedeltem Gebiet existiert weder Hauseigentum noch Mietverhältnis. Es wird nicht neu gebaut, sodass Christiania eine grüne Oase inmitten eng bebauter Viertel blieb. Das Areal besitzt breiten Zugang zu (See-) Wasser und bietet zahlreiche idyllisch-verwachsene Uferplätzchen. All das lässt erahnen, welch Einnahmeeinbußen die Stadt Kopenhagen für ihre Toleranz hinnehmen muss. Viele Versuche wurden bereits gestartet, aber die Pro-Christiania-Lobby ist potenter, als die Situation vermuten ließe…

Es ist nicht leicht, sich schnell ein Bild von Christiania zu machen. Wie bereits erwähnt, übt die Freistadt auf Besucher – seien es Erasmus-StudentInnen oder (junge) Touristen – eine beachtliche Anziehung aus. Bei den DänInnen ist die Begeisterung deutlicher verhaltener. Die nun bereits 38 Jahre bestehende, vermeintliche Utopie ist zu einer Art Touristenattraktion geworden, und hat auf diesem Wege einiges an Originalität eingebüßt. Diese stützte sich auf Ideen wie Basisdemokratie in Konsens, ökologischereres Leben, Nachhaltigkeit, alternative Konfliktregelung, einem eigenen Währungskonzept und ähnlichem mehr. Vier unverletzliche Regeln wurden vom gemeinschaftlichen Plenum aufgestellt:

  •  Keine harten Drogen
  •  Keine Rockerwesten mit Klubabzeichen 
  •  Keine Waffen
  •  Keine Gewalt

Auch jegliche Motorisierung wurde aus dem Gelände verbannt. Der Konsum von weichen Drogen (Marihuana, Haschisch) ist erlaubt und selbst der Handel wird innerhalb Christianias Grenzen von den dänischen Behörden toleriert – wenn es auch immer wieder Vorstöße dagegen gegeben hat. Diese sich insbesondere auf Fremde auswirkende Attraktivität des scheinbar alternativen Lebens hat dem Projekt eine deutlich kommerzielle Note beschert. Die Meinung muss sich jeder selbst bilden. Jedenfalls bleiben neben einer verdächtigen Pseudo-Alternativität dennoch zahlreiche Gründe sich der Utopie (auf Zeit) zu nähern: Eine enorme Dichte an illustren Mitmenschen, gemütliche Bars, zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen, kulinarische Schmankerl, architektonisch interessante Selbstkreationen und neben aller Buntheit gemütlich-naturnahe Rückzugsorte.

Die Meinungen über die Freistadt in Mitten Dänemarks Hauptstadt sind divergent. Manche wollen den aufmüpfigen Sonderlings-Sumpf trocken gelegt sehen, andere genießen den frischen Wind der alternativen Gemeinschaft. Und wieder andere spazieren einfach gerne nur durch. Wie lange das ungefähr 800 Leute zählende Städtchen noch so existieren wird, bleibt jedenfalls offen – bevare christiania!

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Link zur offiziellen Homepage

Damenspitz-Saufen

Mai 18, 2009 Von: tocomei Kategorie: Allgemein, Erasmus Noch keine Kommentare →

flunkyball

Idyllische Stimmung im Flunky-Stadion.

Erasmus-Studenten verspielen ihr Leben, sie geben sich dem “Flunkyball” hin (to flunk = engl. für durchfallen). Einem Phänomen, dass ohne Zweifel in den Gefilden des eher lockeren (Erasmus-) Studentendaseins besonders gut gedeiht. Denn es benötigt dazu eine beachtliche Anzahl an Leuten, die sich im Grünen zusammenfindet, um den Damenspitz zu ersporteln. Zwei Mannschaften stehen sich aufgereiht in einiger Meter Entfernung gegenüber. Sie schauen sich tiefst in die Augen, die Energie fließt. Jeder und jede findet zu Füßen eine Bierdose. Mittig zwischen den beiden Teams steht eine zur Hälfte gefüllte Wasserflasche, welche es mit einem Ball umzuwerfen gilt. Es wird also abwechselnd auf die Flasche geworfen. Landet ein Team einen (umwerfenden) Treffer, darf dieses so lange an den Bierdosen nuckeln, wie das andere Team braucht, um die Flasche neu aufzustellen, den Ball zu holen und erneut in Formation zu stehen – ein chaotisches Durcheinandergerenne. Wer seine Dose geleert hat, darf austreten. Die Mannschaften schrumpfen nach und nach. Jenes Team hat gewonnen, welches als erstes nur mehr Ausgetretene zählt.

Klingt banal? Ist es auch! Durch Geschicklichkeit schwindet langsam die Geschicklichkeit. Aber das Flunken reißt mit: Dynamik kommt auf, man spornt sich gegenseitig an, gelegentliches Durstlöschen scheitert mangels Präzession, die Welle geht durchs Flunk-estadio und letztlich schlägt sich doch der den Durst ersetzende Dusel auf die Treffsicherheit nieder. Es wird gelacht, getanzt, gefeiert, geschimpft, geschwitzt… Am Ende bleibt ein Damenspitz, nicht mehr und nicht weniger. Und doch scheint die geschlechterbezogene gängige Bezeichnung irgendwie fehl am Platze. Das kommt wahrscheinlich daher, dass die Mädels ihren männlichen Kontrahenten noch bei jeder Gelegenheit gezeigt haben, dass sie die besseren Geschicklichkeitstrinkerinnen sind. ¡Entonces, venga! – auf zum nächsten idyllischen Burschenspitz!

Ist das Sportliche erst einmal erledigt, begeben sich die Ausgetretenen zu bodennaher Ruhe. Das Essen wird ausgebreitet, die Gitarren hervorgeholt, Lieder werden angestimmt… der einen und dem anderen fallen dabei die Äuglein zu – geflunkt.

Walpurgo?! – Vamos a la playa!

Mai 05, 2009 Von: tocomei Kategorie: Allgemein, Erasmus 2 Kommentare →

 

playa

(FOTOSTRECKE - auf den Link weiter unten klicken)

Schauplatz Spanien: Während die tapferen Wikinger in Schweden sich an Styropor klammern müssen, um nicht im a….kalten Wasser eine weniger frühlingshafte Schock-Gänsehaut zu bekommen, arbeitet man hierzulande an der dritten Braunstufe: Sckokobraun. Der Frühling ist vor Wochen eingekehrt, der Sommer klopft bereits an. Ein Frühlingsfest lockt also niemanden aus dem Schatten. Hexen scheint man auch keine vertreiben zu müssen (obwohl man das in der Vergangenheit hier nur allzu gerne tat), und so fangen die Spanier mit dem Wort “Walpurgo” eher weniger an… Nein, in Spanien – und so auch in Valladolid – wird am Wochenende nach dem ersten Mai weder Boot gefahren, noch werden Wasserbomben geworfen (wobei letzteres durchaus einen abkühlenden Effekt hätte).

Valladolid geht an den Strand. Valladolid se va a la playa. Unter Studenten bedarf dies keiner Verabredung mehr – am Wochenende ist der Campus sandig. Der Fluss durch Valladolid (Pisuerga) ist durch seine sandigen und waldigen Ufer der attraktivste Zufluchtsort für naturhungrige (Erasmus-)StudentInnen, JoggerInnen, SpaziergängerInnen (…), und führt sehr nah am Zentrum vorbei. Ich habe mit meiner neuen Wohnung das Glück, nur fünf Minuten vom Strand entfernt zu wohnen. Diese geographische Tatsache lässt die Uni-Bibliothek zunehmend in die Ferne rücken.

Der Strand von Valladolid ist durchaus in der Lage, einen die Ferne des Meeres vergessen zu lassen. Er ist breit genug, um alle Sonnenhungrigen aufzunehmen, hat genug Sand um Burgen und Löcher entstehen zu lassen und bietet mit der Pisuerga (theoretisch) abkühlendes Blau – naja, einigen wir uns auf grün. Hier trifft man sich also und setzt sich in immer größer werdenden Kreisen (und Haufen) zusammen. Auch Gitarren, Bälle und Frisbees müssen nicht vermisst werden. Zu späterer Stunde soll man schon mal die eine oder andere Weinflasche gesehen haben.

Die Strandbar darf an einer Sandanhäufung freilich auch nicht fehlen. In unserem Fall heißt sie stimmiger Weise”La Playa”, und versorgt jenen großen Teil der Strandsitzenden mit Erfrischungen, der sich das “kühlende Grün” lieber von der Ferne aus ansieht. Am vergangenen Samstag Abend zog es besonders viele in die unmittelbare Nähe der Theke: denn hinter all den dekorativen Barflaschen verschönert dort ein großzügiger LCD-Fernseher die Wand. auf diesem wurde an jenem Abend das Fußballspiel zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona übertragen. Die entscheidende Partie zum Saisonende – verlieren verboten! Wenn in Spanien die königlichen Hauptstädter auf die abtrünnigen Katalanen treffen, gehen die Emotionen über den Fußball weit hinaus (wobei an dieser Stelle angemerkt sei, dass die Spanier bekannter Maßen mit die friedlichsten Fußballfans in ganz Europa sind). Dennoch, die Bar ist geteilter Meinung. Der halbe Strand fiebert mit. Die Madrid-Anhänger überwiegen deutlich (Nähe zur Hauptstadt). Heftig wird diskutiert, noch lauter gelacht und Bier bestellt. Aber es dauert nicht allzu lange, da verliert die überwiegende Zuschauerschaft sowohl die Worte als auch ihren Durst. Ein überwältigender FC Barcelona schießt das “Weiße Ballet” mit 6:2 aus dem Madrider (!) Stadion. Die Königlichen versuchen sich hinter den Eckfahnen zu verstecken – in Barcelona ist die Hölle los. Ein historischer Sieg für die Katalanen. Davon werden in Spanien noch lange sämtliche Lift-, Zeitungsstand-, Bar- und Taxigespräche handeln. Die Hauptstadt wurde verprügelt!

Doch nach und nach wird auch diese Aufregung im Sand verschwinden. Denn der Strand breitet sich aus. Er folgt mir immer bis ins Zimmer! Langsam aber stetig mach ich mir meinen eigenen Strand, yeah!